Patentöchter – Im Schatten der RAF
Nach dem Buch von Julia Albrecht und Corinna Ponto
Bühnenfassung von Mirko Böttcher, Rowohlt Theater Verlag
HörSpiel, 8 Kanal, ca. 1 Stunde, 2020

Zwei Frauen.
Corinna Ponto und Julia Albrecht, Töchter zweier befreundeter Familien. Sie verbringen gemeinsam ihre Kindheit.
Dann der 30. Juli 1977: Jürgen Ponto, Corinnas Vater, bekommt Besuch von Susanne Albrecht, der Tochter seines Jugendfreundes Hans Christian Albrecht und Julias Schwester. Sie bringt Blumen mit. Jürgen Ponto geht eine Vase holen. Wenige Minuten später ist er tot.

Foto: Elena Zieser

30 Jahre nach der Tat, die beider Leben geprägt hat, bricht Julia Albrecht das Schweigen und nimmt Kontakt zu Corinna Ponto auf. Gemeinsam beginnen sie einen Dialog über Schuld und Vergebung. Corinna Ponto und Julia Albrecht werfen einen neuen Blick auf die – bis heute hauptsächlich von Außenstehenden gedeutete – Geschichte der RAF, die Rolle der Täter und die Wunden, die ihre Taten geschlagen haben. Im Mittelpunkt stehen die Fragen nach Schuld und Täterschaft, nach den Möglichkeiten von Aufarbeitung und Versöhnung.

Eine Art Surround-Live-Hörspiel entwickelt sich.
Zwei Schauspielerinnen, acht Lautsprecher, unzählige Stimmen. Nach 30 Jahren, in denen sich das Schweigen bis zur Unerträglichkeit verdichtet hat, wollen sich die Stimmen der beiden Gehör verschaffen, sickern durch Gedankenritzen, breiten sich immer mehr aus, explodieren und schießen in die Köpfe der Zuschauer – als wollten sie 30 Jahre Schweigen in einem Moment ungeschehen machen. Die Zuschauer sind umstellt von Lautsprechern: im Foyer, im Untergeschoss, hinter Türen. Aus ihnen sickern Stimmen und Geräusche und reißen sie in den Strudel der Ereignisse. Ziel ist es, die komplexen Emotionen und Gedanken der Figuren nicht nur zu verstehen, sondern wirklich fühlbar werden zu lassen.

Anhand dieses konkreten Stücks bundesdeutscher Geschichte machen Beyer/Kirchmann/Mertens die Fragwürdigkeit und Vergeblichkeit jeglichen Terrors, die Sinnlosigkeit aller Gewalt erfahrbar und beschäftigen sich damit, was in den Nachrichten nicht steht:
Was geschieht mit denen, die zurückbleiben?

CREDITS
Inszenierung: Gerd Beyer
Mit: Rebecca Kirchmann, Christine Mertens
Soundesign: Elena Zieser
Regieassistenz: Carina Groth
Ausstattung: Angela Loewen
Rechte: Rowohlt Theater Verlag, Reinbeck
Premiere: 12.03.2020 in Nürnberg

Eine Koproduktion mit der Tafelhalle, gefördert durch Zuschüsse der Stadt Nürnberg und der Kunst- und Kulturstiftung der Nürnberger Nachrichten.